11. Februar 2015

DIE (WAHREN) GEBOTE DES KÖLNER KARNEVALS

Bilder vom Kölner Rosenmontagszug von André Hünseler

Für die unter Euch die (spontan) zum Karneval nach Köln wollen, hat unsere Kollegin aus Deutschland ein paar Tipps!

Als Französin gelte ich als „Immi“ im Kölner Sprachraum. Ich bin nicht im Karnevalsverein und war in meinem ganzen „Kölner Leben“ nur auf einer Sitzung. Aber den „großen“ Karneval habe ich in den letzten zehn Jahren nicht ein einziges Mal verpasst. Und als Köln-Bloggerin bin ich ständig auf der Suche nach Geheimtipps. So habe ich über die Jahre viele Hot Spots und die „wahren“ Gebote des Kölner Karnevals erkannt.

Gebot Nr. 1: Nach Karneval ist vor Karneval

Erprobte Karnevalisten wissen es: Karneval ist kein Wochenend-Ausflug, sondern vielmehr eine einjährige Trekking-Reise, die nur mit Geduld, Ausdauer und Kreativität zu schaffen ist. Monate im Voraus werden Veranstaltungen organisiert, Partytickets (aus)verkauft, Kostüme entworfen, gestrickt und geschnitten.

Jedes Jahr wird die „Session“ (also die Karnevalssaison) am 11.11. eröffnet; da freut sich unserer Karnevals-Wanderer. Er kann hier neue Kräfte sammeln, um weiter auf das große Ziel hinzuarbeiten. Im Dezember wird die Karnevalsumtriebigkeit fast unsichtbar, denn Weihnachten ist überall. Und doch wird dem „Immi“ auffallen, dass man immer häufiger verkleidete Menschen auf Kölns Straßen trifft. Die Karnevalsvereine schlafen nicht!

Ab Januar wird der Kölner langsam nervös. Es gibt keine Karten mehr für seine Lieblingsparty, geschweige ein Thema für das Gruppenkostüm (siehe Gebot Nr. 2). Aber das Ziel nähert sich. Am Ende des Weges steht der Feiermarathon, wo drei Millionen Menschen mitlaufen, mal im Januar, mal im Februar oder sogar im März (Hauptsache, das Wetter ist schön kalt und deprimierend) und dieses Jahr vom 12. bis zum 17. Februar. Jetzt geht’s los!

Gebot Nr. 2: Das Kostüm ist der Spiegel der Seele

Nicht umsonst bereitet der Kölner sich das ganze Jahr auf Karneval vor. Ein echtes Kostüm, ich meine, ein Kostüm, das zugleich praktisch, allwettertauglich, witzig und vor allem einmalig ist, erfordert viel Arbeit bzw. Bastelei. Basteln, das ist das Schlüsselwort. Ein Kostüm kaufen ist langweilig (Engel, Teufel, Polizist, Chirurg, Cowboy, Pilot, Spiderman … Gäähn*) – und für Immis, Touristen und Uneingeweihte reserviert. Der „echte“ Kölner will sein eigenes Ding haben. Er hat zwar eine Kiste voller Karnevalskostüme, aber jedes Jahr will er was Neues. Und am besten auch ein Kostüm für jeden Tag. Dafür braucht man erst mal ein paar Ideen.

Märchen sind eine unerschöpfliche Inspirationsquelle: Prinzessinnen, Alice im Wunderland, Schneewittchen, Rotkäppchen und der Wolf (schon gesichtet als umgedrehtes Pärchen-Kostüm: er riesengroß mit Bart als Rotkäppchen, sie klein und zierlich als der Wolf). Aber auch Ikonen der gegenwärtigen Pop-Kultur finden immer mehr Zuspruch, seien es Promis wie Lady Gaga, Karl Lagerfeld oder Harald Glööckler, Film-Charaktere von Hangover, Black Swan und Avatar oder gar Figuren aus Videospielen wie Super Mario, Lara Croft und Tetris.

Die Königsdisziplin ist und bleibt aber das Gruppenkostüm. Hierfür sind Comic-Figuren ein beliebtes Thema (z. B. Schlümpfe, Simpsons oder Ninja Turtles). Dabei entstehen die beeindruckendsten Kostüme meist aus den einfachsten Ideen. So habe ich Gruppen von Taxistationen, Spielkarten oder Burgtürmen gesehen, die sicher nicht praktisch oder allwettertauglich waren, aber definitiv einmalig!

 

Gebot Nr. 3: Spaß ist, wo die Schlange ist

Wer seine Partyplanung nicht Monate im Voraus abgeschlossen hat (siehe Gebot Nr. 1), über keine besonderen Connections zum kölschen Klüngel verfügt und nicht nur im Freien feiern möchte, sollte Zeit und Geduld mitbringen. Das ist eine goldene Regel, die man mit Blut und Tränen erlernt: wo keine Schlange, da keine gute Party.

Große Schlangen, sprich gute Partys, gibt es:

  • in der Südstadt insbesondere an Weiberfastnacht und nach dem „Rosenmontagszug“ (oder „Zoch“ wie man in Köln sagt) z.B. im Filos, Mainzer Hof oder Chlodwig Eck.
  • vor allen namhaften Brauhäusern der Innenstadt (Gaffel, Früh, Päffgen) und in der Altstadt. Am besten geht man weg vom Altstadttrubel und sucht sich eine kleinere Veedels-Eckkneipe. Es wird genauso voll, aber die Stimmung ist meist „familiärer“.
  • vor den großen Veranstaltungsräumen: dem Tanzbrunnen (z. B. für die Party Loss mer Singe) oder dem Gürzenich vor dem Medizinerball.
  • vor Gastronomie-Betrieben (Heising & Adelmann, Rheinterrassen, Stadtgarten oder in der Playa in der Nähe vom Stadion etc.)
  • vor jeder Kneipe im Uni-Viertel rund um die Zülpicherstrasse, insbesondere vor der winzigen Filmdose oder dem Brauhaus Hellers.

Sonntags wird die Lage deutlich ruhiger. Viele Menschen reisen bereits zurück, die Karnevalisten bereiten sich auf den Zug vor. Die Partywütigen können Ihr Glück sogar in den großen zentralen Brauhäuser versuchen (wie zum Beispiel im Früh), da gibt es noch Party, der Ansturm ist geringer und die Eintrittspreise sind meist günstiger (wie etwa bei dem Schneeball in der Wolkenburg).

Am Montag muss man sich ab mittags wieder durchkämpfen, um in die besten Läden nach dem Rosenmontagszug hineinzukommen, doch abends wird nicht mehr wild gefeiert. Am Dienstag muss man wieder arbeiten. Dienstag Abend gibt es in einigen “Veedeln” (Kölsch für Stadtviertel) die Nubbelverbrenng, womit alle Karnevalssünden symbolisch verbrannt werden. Man schunkelt ein letztes Mal in der Kälte und dann ist es wirklich vorbei.

Gebot Nr. 4: (Karnevals-)music never stopps

Musikliebhaber haben es in der Karnevalszeit besonders schwer. Überall läuft dieselbe Musik mit denselben Themen: die ewige Liebe, die kurzweilige Liebe, Köln, der Dom, das „Veedel“. Und das sechs Tage bzw. die ganze Saison lang. Wenn Ihr auch Immis seid, solltet Ihr Euch am besten daran gewöhnen und zum Beispiel die Texte von Brings (Kölsche Jung) und Höhner (Viva Colonia) vorher üben. Das hilft. Die Kölner unter Euch können bei Loss mer Singe die Lieder von morgen kennenlernenwie Piraten von Kasalla (Gewinner 2012) oder meinen Geheimtipp Francesco und Band entdecken.

Wer mit Karnevalsmusik wirklich nichts anfangen kann oder sich nach ein paar Tagen nach musikalischer Abwechslung sehnt, macht sich am besten auf den Weg nach Ehrenfeld. Die meisten hippen Locations sind für echte Karnevalisten in der fünften Jahreszeit ein No-Go – und damit genau das Richtige für Karnevalsmuffel. Heinz Gaul, Odonien, Club Bahnhof Ehrenfeld oder Artheater bieten zwar Partys zum Thema Karneval, bleiben aber ihrer herkömmlichen musikalischen Ausrichtung treu.

Eure Coralie von blog.douglas.de

Ähnliche Beiträge



Alle Beiträge

Alle Beiträge zum Thema Events, Stories, Styles

Kommentar verfassen

* Pflichtfeld